Kritik
....gelang es Bettina Ullrich stets, die Lieder in ihrem geschichtlichen Kontext erklingen zu lassen – was da heißt, die gesellschaftlichen Umbrüche, die damit einhergingen,
spürbar zu machen: die Emanzipation
der Frau samt einer neuen Offenherzigkeit
– sowie die Bestürzung der Spießbürger darüber.
All das wurde lebendig, bei diesem szenischen Liederabend, und das war vor allem Bettina Ullrichs Verdienst: Die ausgebildete
Sängerin und Schauspielerin
erwies sich als Verwandlungskünstlerin,
sowohl in ihrer Gestik und Mimik als
auch stimmlich. Sie sang nicht nur, sondern erzählte Geschichten, mal naiv flötend, dann wieder verführerisch hauchend, mal jodelnd, mal berlinernd, mal kreischend, sie war frech, traurig, stolz – und immer gut. Das Publikum hing an ihren Lippen. Eine schauspielerische
Höchstleistung bot Bettina Ulrich etwa
bei der „Kleptomanin“ von F. Hollaender: Das witzige und zugleich ernste Bekenntnis einer Frau, die dem
Zwang unterliegt, stehlen zu müssen, lotete die Sängerin in allen Extremen aus – von der Euphorie vor bis zur inneren Leere nach der Tat. Aber auch „Heinrich, wo greifst du hin?“ von R. Fall kann
als ein Paradestück Bettina Ullrichs gelten:
Hier gab sie die hysterische Ehefrau
in wundervoller Operettenmanier, zündete, wonötig, die Rakete in stimmliche Höhen und ließ sie in eifersüchtigem Geheule enden.
Doch die Sängerin überzeugte nicht
nur mit Spektakel, auch die nachdenklicheren, sentimentaleren Stücke stehen ihr sehr gut. Ganz pur, ohne in eine Rolle zu schlüpfen, berührte sie die Herzen der Ebersberger Zuhörer – zum Beispiel mit dem ergreifenden „Es regnet“ von Weill, nach dem die Sängerin sogar selbst eine Träne wegwischen musste, oder mit
„Drei Sterne“ von Theo Mackeben, einem
wunderschönen, melancholischen
Sehnsuchtsstück.
Bettina Ulrich ist zweifelsohne der
Star des Programms..."(SZ)